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26.01.2021
Erfahrungsbericht

Ines - meine Pflegetochter

Mit achtzehn Monaten kommt Ines zur Pflegefamilie. Symptome großer Vernachlässigung sind deutlich, aber da ist noch mehr! Erst nach sechs Jahren wird FASD diagnostiziert. Die Pflegemutter beschreibt sehr persönlich ihre Erfahrungen und Empfindungen mit ihrer Pflegetochter, aber auch mit dem Umfeld und den Schwierigkeiten, welche aufkommen, wenn ein Kind nicht "der Norm" entspricht.

Ines kam im Alter von 18 Monaten zu uns. Sie war ein Bild des Jammers, obwohl sie schon vorher drei Wochen in einer Kinderklinik aufgepäppelt worden war. Sie wog sieben Kilogramm, konnte kaum stehen und noch weniger laufen.

Ines wurde aufgeregt erwartet von ihrem "großen Bruder", der schon seit Tagen von nichts anderem mehr sprach als von der Schwester, die er nun bekommen sollte. Dominik war damals fast fünf Jahre alt und hatte zusammen mit mir das Zimmer für Ines vorbereitet und einen Teil seiner Kuscheltiere in dieses Zimmer gelegt. Er konnte es kaum erwarten, mit ihr zu spielen und sie zu verwöhnen.

Leider saß Ines dann nur völlig apathisch auf der Krabbeldecke und schaute sich mit großen Augen ängstlich um. Sie wusste nicht, wie ihr geschah und reagierte völlig verschreckt auf jede Bewegung und Annäherung. Dominik ließ sich aber nicht abschrecken und schleppte immer mehr Kuscheltiere und Spielzeug herbei. Die Apathie wandelte sich dann zum Glück recht schnell in eine große Anhänglichkeit, was allerdings zur Folge hatte, dass ich sie sogar bei der Hausarbeit in einem Tragebeutel mit mir herumtrug. Sie bekam dadurch die körperliche Nähe, die sie wohl vorher nie kennen gelernt hatte und ich konnte sicher sein, dass es ihr gut ging.

In den folgenden Jahren hat Dominik sich immer wieder mit Ines beschäftigt und ihr geduldig - und manchmal auch ungeduldig - alles Mögliche gezeigt und beigebracht. Ich bin überzeugt davon, dass Ines nur durch ihn vieles sehr schnell gelernt hat.

Ines hatte massive Schlafstörungen, schlief teilweise zusammengeklappt wie ein Taschenmesser. Für mich bedeutete das, alle zwei Stunden aufzustehen und sie wieder richtig hinzulegen. Sie zeigte außerdem die typischen Zeichen von Hospitalismus und wippte so mit dem Oberkörper, dass ich Angst bekam, sie könnte ihre Wirbelsäule für immer schädigen. Auch schlug sie manchmal mit dem Kopf auf den Boden.

Das Essen war ein Problem! Zwar aß sie alles, was auf dem Boden lag oder sonst verfügbar war (sogar Zwiebelschalen), allerdings keine normale Mahlzeit vom Tisch. Trinken war ein Problem, ich musste ihr die Milch oder den Saft aufzwingen. Dies führte dazu, dass unser damaliger Hausarzt sie mehrfach infundieren musste.

Der Transport im Auto zu einem Arzttermin oder zu Verwandtenbesuchen stellte unsere Nerven immer auf eine besonders harte Proben. Sie schrie sobald wir ins Auto stiegen und hielt durch bis zum Ziel. Es wurde sehr schnell klar, dass sie Angst vor den Gurten des Kindersitzes hatte. Erst viel später habe ich dann erfahren, dass sie in ihrer Herkunftsfamilie sogar im Kinderbett angeschnallt wurde.

Außerdem hatte sie starke Angst vor allem und jedem, vor allem vor Männern mit Bart. Sie musste mich oder ihren Bruder ständig im Blick haben, sodass sogar die Benutzung der Toilette nur in ihrer "Gesellschaft" möglich war. Wir hatten sie binnen kurzer Zeit sehr "verwöhnt" und sie war clever genug, eine Möglichkeit zu finden, wie sie ihren Willen durchsetzen konnte. Sie schrie ganz einfach "Aua" und jeder rannte sofort, um nach ihr zu sehen. Einmal hat uns das sogar einen Überraschungsbesuch des Jugendamtes eingebracht. Und das nur deshalb, weil sie auf der Terrasse bleiben sollte, während ich die Wäsche aufhing. Die Nachbarn hatten dem Jugendamt darauf hin Nachricht gegeben!

Die Nachbarschaft war ohnehin schon von Anfang an ein Problem. Als wir Ines bekamen, wohnten wir seit vier Jahre in unserem eigenen Haus. Bis zu Ines Ankunft hatte ich dazuverdient und Nachtdienst in einer Klinik gemacht. Es war aber bekannt, dass mein Mann sich um die Versorgung unseres Sohnes nur wenig kümmerte. Was lag also in den Augen der Nachbarn näher, als sich ein Kind vom Amt "anzuschaffen" und somit zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. (Mama versorgt die Kinder und Geld zum Abzahlen des Hauses fließt auch noch). Diese Einstellung hat mir sehr weh getan, denn schließlich wussten die Nachbarn von meinem Kinderwunsch und dem Wunsch meines Sohnes nach einem Geschwisterchen, außerdem auch von den Schwierigkeiten, überhaupt ein Kind zu bekommen und sahen auch, dass oft Kinder von Bekannten von mir betreut wurden.

Die Situation war sehr schwierig, vor allem weil schnell klar wurde, dass Ines nicht so war wie andere Kinder. Sie ließ sich ja nicht einmal von ihrem Pflegevater anfassen, viel weniger konnte sie zu anderen Leute Vertrauen aufbauen. Außerdem war sie sehr pflege - und betreuungsaufwendig und viel krank .

Für Ines war und ist eine konstante Umgebung und ein geregelter Tagesablauf sehr wichtig.

Als sie ein Jahr bei uns war, waren wir der Ansicht, gemeinsam mit ihr in einer Ferienwohnung im Allgäu unseren Urlaub verbringen zu können. Fehleinschätzung!!! Obwohl Spielzeug , Geschirr, Bettzeug und alles Mögliche mitgenommen worden war, war sie so verunsichert, dass sie Nahrung und Trinken verweigerte, wir täglich den Kinderarzt aufsuchen mussten und zum Schluss im Krankenhaus landeten. In all den folgenden Jahren hat sie sich dann jedoch so sehr an unseren dortigen Aufenthalt gewöhnt (ich fahre mit den Kindern in diesem Jahr zum 10. Mal dorthin), das sie nur noch von "unserem" Bauernhof spricht.

Ines besuchte ab ihrem dritten Lebensjahr das Spatzennest. Dabei handelt es sich um eine Vorstufe des Kindergartens in das die Kinder nur dreimal in der Woche für 2 – 3 Stunden gehen. Der Vorteil dieser Betreuung war für Ines die kleine Gruppe  ca. 8 Kinder), die wechselnde Anwesenheit einer Mutter und die intensive Beschäftigung mit den Kindern. Dadurch fiel es Ines wesentlich leichter, sich von mir zu trennen. Daran anschließend folgte dann der Kindergarten-Aufenthalt, der ihr zum Glück wenig Schwierigkeiten bereitete und viel Spaß machte.

Als sie altersentsprechend eingeschult werden sollte, ist es mir zum Glück gelungen, sie noch für ein Jahr in die Vorschule zu geben. Dort lernte sie schon so einiges für den weiteren Schulunterricht. Sie fühlte sich wohl, kam auch ganz gut klar. Allerdings handelte es sich wieder um kleine Klassen.

Dann war die Grundschule an der Reihe und die Probleme wurde praktisch von heute auf morgen riesengroß. Sie wurde gemeinsam mit zwei Jungen aus der Nachbarschaft eingeschult. Die Lehrerin war jung und bereit, gemeinsam mit mir das Beste für Ines zu erreichen. Die ersten Wochen ging alles gut. Ines kam gut mit, sie war ja vorbereitet durch die Vorschule. Außerdem hatte sie schon vorher gezeigt, dass sie sich für eine bestimmte Zeit Situationen anpassen und auch konzentrieren konnte.

Dann ging es plötzlich rapide bergab. Sie kam enttäuscht aus der Schule, weil sie nicht so rechnen konnte wie die anderen. Sie weinte, weil sie die Buchstaben der Wörter nicht in der richtigen Reihenfolge schreiben konnte. Außerdem verlor oder vergaß sie nun ständig irgendwelche Dinge. Hausaufgaben des ersten Schuljahres zogen sich über Stunden hin. Es gab Zank und Streit, Frust und Wut. Dazu kam, das ihre Klassenkameraden, die gleichzeitig ja auch Nachbarjungen waren, sie hänselten und als dumm bezeichneten. Bedingt durch ihr ohnehin schon geringes Selbstwertgefühl und das Ausgrenzen der Kinder, wurde die Situation immer schwieriger. Außerdem konnte auch mein Mann nicht akzeptieren, das er ein nicht normal entwickeltes Kind in seine Familie aufgenommen hatte. Also musste "gegengesteuert" werden, soll heißen, es musste geübt werden. Es klappte natürlich nicht, denn der Stress wurde nur noch größer und Ines konnte nur bis zu einem gewissen Maß die Übungen mitmachen. Erschwerend war außerdem, dass zwei Schwägerinnen Grundschullehrerin sind und uns mit zusätzlichem Lernmaterial 'bewarfen'.

Keiner hatte bis zu diesem Zeitpunkt von dem Fötalen Alkoholsyndrom - FAS - Kenntnis. Auf Nachfragen beim Jugendamt nach Unterlagen der Geburt und der familiären Situation berief man sich auf die Schweigepflicht. Zum Glück hatte ich bereits zu dem Zeitpunkt einen tollen Kinderarzt, der mich nach Kräften unterstützte und dann auch die Diagnose stellte. Er bemühte sich um ärztliche Unterlagen und erhielt dann auch Arztberichte und Befunde aus der Zeit, bevor Ines zu uns kam.

Nachdem man mir (mein Mann ignorierte die Diagnose völlig) von Seiten der Schule mitteilte, dass Ines die Grundschule nicht bewältigen könne, erklärte ich mich dann mit einer Umschulung auf eine Schule für Lernbehinderte einverstanden. Mein Mann konnte diese Entscheidung nicht unterstützen.

Seit drei Jahren geht Ines nun auf diese Schule. Glücklich bin ich nicht damit, denn manchmal habe ich den Eindruck, dass sie auch dort falsch ist.

Die Klasse umfasst nur 12 Kinder. Allerdings kommen diese Kinder vorwiegend aus ausländischen Familien. Sie haben Sprachprobleme und, was ein noch größeres Problem ist, wohnen in unterschiedlichen Orten. Somit kann kein Klassenverbund entstehen, denn ein Treffen am Nachmittag zum Spielen oder auch zu gemeinsamen Veranstaltungen ist nicht möglich. Außerdem herrscht permanenter Lehrermangel, der Stundenausfall zur Folge hat. Ein weiteres Problem ist, dass auch ein vernünftiges Lernkonzept nicht zu erstellen ist. Mir wäre es lieb, wenn in Abstimmung mit der Lehrerin ein Übungsplan erstellt werden könnte, der Ines und mir hilft, den Lernstoff auch zu Hause zu bearbeiten. Da aber in den vergangenen Jahren ständig neue Lehrerinnen die Klasse übernommen haben, ist es unmöglich, eine ausreichende Förderung zu erreichen.

Im Augenblick sind wir ohnehin in einer sehr kritischen Phase. Ines vergisst derzeit alles, ob es Schulmaterialien sind, Lernstoff oder andere Dinge. Letztens lief sie eine ganze Zeit durch das Haus und suchte ihre Schuhe. Ich gebe zu, ich hatte nicht sonderlich auf sie geachtet. Erst als es Zeit war, zur Schule zu fahren, fragte ich sie, was sie eigentlich suche (suchen ist bei uns an der Tagesordnung ). Sie antwortete, sie suche ihre Schuhe! Die Schuhe trug sie aber bereits seit einer halben Stunde an den Füßen!!!

Auch die Ordnung ist für sie kein Thema. Ihr Zimmer sieht immer aus wie eine Räuberhöhle, sie räumt nichts an seinen Platz! Versteht auch nicht, wenn ich sie auffordere, ihre Socken und Unterwäsche in den Schrank zu räumen oder die schmutzige Wäsche in den Wäschekorb. Für sie Unordnung ok, solange sie nicht irgendein Spielzeug sucht oder etwas Bestimmtes braucht. Oft war ich schon versucht, das eine oder andere an Kuscheltieren oder Spielsachen abzugeben, aber sie hängt an jedem Teil, sammelt sogar Steine und hebt Papier und andere Dinge auf. Manchmal hilft dann nur eine Aufräumaktion in ihrer Abwesenheit.

Vieles deutet in ihrem Verhalten nicht nur auf FAS hin, sondern auch auf Hyperaktivität. Auch deshalb hatte ich sie dann bei einem Arzt vorgestellt, der diesen Verdacht bestätigte. Sie wurde auch mit Medikamenten therapiert. Ritalin oder Medikinet kamen für sie nicht in Frage, da sie die Medikamente nicht eigenverantwortlich während der Schulzeit nehmen konnte. Sie bekam stattdessen Tropfen, die sie morgens und mittags unter meiner Aufsicht einnahm. Die Schulleistungen besserten sich, sie war auch nicht mehr so "schwierig". Allerdings konnte sie nicht mehr schlafen und neigte zu Depressionen. Deshalb haben wir uns nach einem Arztwechsel dazu entschlossen, die Tropfen wieder abzusetzen. Dann kamen die Konzentrationsstörungen und Schulprobleme wieder mit voller Wucht auf uns zu .

In den Herbstferien habe ich nun einen Klinikaufenthalt in einer pädiatrischen Kinderklinik für Ines und mich geplant. Wir sind dort schon seit Jahren in ambulanter Behandlung, sollten eigentlich auch schon früher stationär aufgenommen werden. Da ich aber seit 2 1/2 Jahren mit meinen Kindern allein lebe, muss ich mich auch um die Betreuung und Versorgung meines Sohnes kümmern und habe den Termin in der Klinik deshalb auf den Herbst verlegen lassen. Ich möchte Ines gern begleiten damit sie nicht das Gefühl hat, abgeschoben zu werden. Sie fühlt sich immer leicht zurückgesetzt, obwohl das nicht der Fall ist.

Bedingt durch die Probleme zwischen meinem Mann und mir, sind die Kinder ohnehin belastet genug. Leider werden die Probleme auch in nächster Zukunft nicht kleiner werden, da mein Mann das Haus verkaufen möchte und wir deshalb ausziehen müssen. Die Kinder werden dann auch noch aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen. Für Ines ist das natürlich besonders schlimm, da sie im Unterbewusstsein vermutlich weiß, das sie schon einmal von ihrer Herkunftsfamilie verlassen worden ist. Ich hoffe, dass es mir gelingt, eine schöne Wohnung, vielleicht sogar ein Haus für uns zu finden und für die Kinder und mich eine ruhige und ordentlich Zukunft zu schaffen.

Wichtig wäre mir die richtige Schule für Ines und mehr Verständnis der Umwelt für Kinder und Menschen die nicht 'der Norm' entsprechen. Leider ist es jedoch meist so, dass einfach eine Schablone angelegt wird, nach der das Leben, die Schullaufbahn und die Entwicklung abzulaufen hat.

Das alkoholgeschädigte Kinder nicht immer gleich gut drauf sind und nicht immer dem Standard entsprechen, wird oft ignoriert. Wenn mich jemand nach den Leistungen meiner Tochter fragt, habe ich mir angewöhnt zu antworten: Ihre Leistungen und ihr Verhalten ist tagesformabhängig.

Wie soll man sonst jemandem erklären, dass es Tage gibt, an denen sie sich noch nicht einmal ordentlich anziehen und selbstständig die Zähne putzten kann.

Sie wird oft als gesund eingestuft, weil sie reden kann wie eine Erwachsene und sich für alles interessiert. Das sie meistens die einfachsten Rechenaufgaben nicht lösen kann und bis heute weder den Wert des Geldes noch die Uhrzeit kennt, sieht man ihr ja nicht an. 

Manchmal würde ich mir wünschen, sie hätte eine sichtbare Behinderung. Es würde ihr und auch uns manche Schwierigkeiten ersparen.

Manchmal habe ich Angst, dass sie mal an Menschen gerät, die ihre Unwissenheit und ihre Distanzlosigkeit ausnutzen und sie zu Sachen anstiften, die nicht gut für sie sind.

Gerade in unserer derzeitigen Situation (bevorstehende Scheidung) ist es sehr mühsam und schwierig zu dokumentieren, dass meine Tochter erhöhte Betreuung braucht und ich deshalb vorläufig noch auf Unterhalt von meinem Mann angewiesen bin.

Allerdings muss ich auch dazu sagen, dass ich mich oft scheue, Probleme offen auszusprechen, aus Angst, man würde mich für unfähig halten, mein Kinder zu erziehen. Immer noch werde ich die Angst nicht los, dass das Kind, das seit zehn Jahren meine Tochter ist, mir weggenommen wird, wenn ich über meine Probleme spreche. So scheue ich mich zum Beispiel, erhöhtes Pflegegeld oder einen Behindertenausweis zu beantragen. Ich befürchte, dadurch Ines erst recht abzustempeln und ihr eine vernünftige Zukunft zu verbauen. Ich hoffe immer noch, ihr durch Liebe, Unterstützung und Übung ein 'normales' Leben ermöglichen zu können. Erreichen möchte ich, dass sie nach der Schulzeit eine Tätigkeit ausführen kann, die ihr Spaß macht und nicht automatisch in eine beschützende Werkstatt kommt,

Es ist sehr schwer, die richtigen Wege zu gehen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Gern würde ich Ines mehr Freiraum und Eigenverantwortung lassen, doch gleichzeitig weiß ich aus Erfahrung, dass sie zum Beispiel ihren Schulweg nicht allein bewältigen kann. Also fahre ich sie mit dem Auto zur Schule und muss mir dann sagen lassen, ich würde sie zu sehr einengen. Was wäre denn, wenn ihr etwas passieren würde? Keiner würde sich dann mehr daran erinnern, dass Ines ja zu mehr Selbstständigkeit erzogen werden sollte.

So ist man in einem ständigen Zwiespalt. Man möchte sein Kind fördern, es möglichst selbstständig werden lassen und hat doch gleichzeitig seine Umwelt permanent im Nacken. Unterstützung von Ämtern und Institutionen ist meist nicht zu erwarten, es zählt nur der äußere Eindruck und nach dem sind die wenigsten Kinder als krank einzuschätzen.

Ich würde mir wünschen, man würde sich als Eltern oder Pflegeeltern solcher Kinder mehr gegenseitig unterstützen und austauschen. Vielleicht ließe sich als Gruppe auch eine größere Akzeptanz für unsere Kinder erreichen.

Für meinen Sohn und mich kann ich nur sagen: Es ist oft schwierig mit unserer Ines und trotzdem stellen wir uns täglich aufs Neue der Situation und würden immer wieder ein Kind mit dieser Problematik bei uns aufnehmen.

Sie ist unser Kind, gehört zur Familie und wir würden sie niemals wieder hergeben. Ihre Herkunftsfamilie hat sich in all den Jahren nie für sie interessiert hat und sie ist deshalb bis heute nicht mit ihrer Vergangenheit konfrontiert worden. Sie weiß nicht, woher ihre Schwierigkeiten stammen. Allerdings fragt sie auch nicht danach und wird es deshalb erst später erfahren. Sie weiß, dass ich sie nicht geboren habe, wir sie aber trotzdem über alles lieb haben. Sie gibt uns dafür ihre Anhänglichkeit und Zärtlichkeit. Ich wünsche mir, dass wir ihr helfen können, später ein selbstständiges Leben zu führen. Daran arbeiten wir Tag für Tag und hoffen, dass es ihr und uns gelingen wird.

Abschließend möchte ich allen ähnlich Betroffenen viel Kraft und Mut im täglichen Leben wünschen, damit wir für unsere Kinder alles nur Mögliche erreichen und es schaffen, dass sie so angenommen werden, wie sie sind.

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