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30.06.2015
Erfahrungsbericht

Ein Besuchskontakt und seine Auswirkungen – Bericht einer Pflegemutter

Hier beschreibt eine Pflegemutter die Nachwirkungen eines Besuchskontaktes auf ihren Pflegesohn.

Michael spielt beim Besuchskontakt. Er schielt immer wieder zur leiblichen Mutter hin. Michael bekommt nach einiger Zeit ein Brötchen, sitzt dann aber auf dem Boden total in sich zusammen gesunken.
Der Besuchskontakt wird von der begleitenden Sozialarbeiterin vorzeitig abgebrochen.
Auf dem Heimweg ist Michael kreidebleich. Hängt sich an meinen Hals und ist nicht zu bewegen selber zu laufen. Er sitzt lethargisch auf meinem Schoss.
Er schläft auf dem Arm ein um nach ca 15. Minuten kreischend aufzuwachen.
Zu Hause ein Wechsel von Lethargie und Schreien.
Michael ist total am Ende. Er scheint nervlich sehr zu leiden.

1. Nacht.
Michael kreischte in der Nacht einige Stunden bis er sich erbricht. Er hängt an meinem Hals und lässt sich fast nicht beruhigen, schläft dann in meinen Armen.

Tagsüber:
Michael ist sehr unruhig, fällt immer wieder in sich zusammen. Hat sein affektiertes Lachen wieder. Er zeigt deutliche Rückschritte, kann sich auf nichts konzentrieren.
Er hängt immer wieder bei einem von uns am Hals und will getragen werde. Er isst schlecht und weint viel.
Will nicht ins Auto steigen, weint als wir aus dem Haus gehen wollen.
Er schlägt die Kinder vermehrt, zieht sich selbst und die Kinder immer wieder an den Haaren, ist aggressiv.

2. Nacht
Michael schläft sehr schlecht ein, ich bleib bei ihm im Zimmer. Gegen Mitternacht schreit er auf und lässt sich über 1 Stunde nicht mehr beruhigen. Mein Mann trägt ihn herum damit er sich wieder beruhigt.
Gegen 2 Uhr schläft er wieder fest. Um 3.30 wachen wir auf, weil Michael mit dem Kopf ständig gegen das Bett schlägt . Wir nehmen ihn aus dem Bett, halten ihn fest, wiegen ihn bis er gegen 5.00 wieder einschläft.

Tagsüber
Er zieht er sich immer wieder an den Haaren, schreit grundlos auf, setzt sich auf den Boden und weint.
Michael zeigt immer wieder affektiertes Lachen. ( Was schon seit über 3 Wochen nicht mehr zu hören war)
Immer wieder sucht Michael ganz gezielt die Nähe zu mir, will auf den Arm und keinesfalls wieder herunter.
Michael ist den ganzen Tag über weinerlich. Es wechselt zwischen weinen und heftigen schreien, ohne sichtbaren Anlass.
Es ist superstressig. Für die anderen Kinder und uns ist es kaum zu ertragen Michaels starke Veränderung so zu sehen.

3. Nacht
Michael schläft sehr unruhig, schreit, aber nicht mehr so erbärmlich. Gegen 12.00 fängt er wieder an mit dem Kopf gegen das Bett zu schlagen.
Mein Mann beruhigt ihn und bleibt bei ihm bis er wieder eingeschlafen ist.
Er schläft dann aber den Rest der Nacht durch, wenn auch unruhig. Er weint im Schlaf immer wieder auf, wird aber nicht wach dabei.

[...] Nachmittags wieder heftiges Weinen ohne offensichtlichen Anlass.[...] Nacht Michael ist heute erst gegen 3.00 aufgewacht hat lange geweint und war schwer zu beruhigen. [...] Tagsüber: Michael zieht sich immer wieder an den Haaren und beißt sich selber in den Arm.
Tagsüber:
Wir fahren zum Kindergarten, wegen Anbahnung der Therapien. Michael will wieder nicht ins Auto.
Er ist ruhiger als sonst. Die Kinder dort lenken ihn ab. Er vergewissert sich, dass ich in der Nähe bin und versucht zu spielen.
Zu Hause ist er ein wenig ruhiger heute, spielt mit mir gemeinsam dann relativ gut mit. Nachmittags wieder heftiges Weinen ohne offensichtlichen Anlass.

4. Nacht
Michael ist heute erst gegen 3.00 aufgewacht hat lange geweint und war schwer zu beruhigen. Er lag in meinem Arm, schlief aber nicht mehr ein.

Tagsüber:
Michael zieht sich immer wieder an den Haaren und beißt sich selber in den Arm.
Er schläft auf meinem Arm und ist dabei sehr unruhig.
Immer wieder brüllt er ohne Anlass auf, weint und ist unruhig.
Am Nachmittag wechseln sich Lethargie und Schreien ab.

5.Nacht
Michael schläft bis ca 2.00, dann werden wir geweckt weil er weint und nicht mehr schlafen will. Ca 3.00 schläft er aber dennoch wieder, er weint immer wieder im Schlaf auf. Wird aber nicht mehr richtig wach dabei.

Tagsüber:
Wir fahren wieder zum Zentrum zum Kennen lernen und anschließender Hippotherapie. Mit den Kindern fällt es Michael heute etwas leichter, er bekommt nur ein einziges Mal eine fürchterliche Krise, als sich ein anderes Kind mir nähert. Dies kann er nicht gut haben. Das Treffen macht ihm aber Spass und er ist gut drauf.
Bei den Pferden geht es Michael sichtlich gut, er läuft aufrecht, freut sich über die Tiere und seine „Freunde“ sind mit dabei. Auf dem Pferd gefällt es ihm er wird immer lockerer.
Heute Nachmittag hat er dann mit Mirca und Hubert im Garten gespielt, es ging ihm sichtlich besser.
Heute haben wir auch kein einziges Mal das affektierte Lachen gehört.

6.Nacht
Michael hat heute Nacht nur zweimal geweint, wurde aber nicht richtig wach dabei.

Tagsüber:
Wir waren im Kindergarten, haben mit den Kindern dort gespielt ( Logopädie). Michael hat sich gefreut als er die Kinder sah, es ging ihm sichtlich gut.
Er war heute den ganzen Tag wieder viel ausgeglichener. Wir können hoffentlich wieder da anknüpfen wo wir vor dem Besuchskontakt waren.

7.Nacht
Michael hat heute durchgeschlafen bis morgens um 5.00 Uhr. Er hat nicht geweint

Tagsüber:
Wir waren heute wieder im Zentrum und sind mit den Betreuern und den anderen Kindern zum Schwimmen gewesen. Michael hat dies super gefallen. Er hat auch seinen Bruder getroffen und war begeistert. Michael hat heute das erste Mal JA gesagt .

Wir hoffen und wünschen es geht weiter so.

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