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27.05.2008
Erfahrungsbericht

Barbara - Beispiel einer gelungenen Musiktherapie

Musiktherapie hat sich als therapeutisches Förderungsangebot an heilpädagogischen Tagesstätten fest etabliert. Das hier geschilderte Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie ein Kind sich mit Hilfe der Musiktherapie aus seinen festgefahrenen Verhaltensweisen lösen und seiner Umwelt positiv gegenübertreten kann. Barbara, ein 9-jähriges, geistig behindertes Mädchen, wurde von pädagogischen Mitarbeitern und einer therapeutischen Kollegin für die Musiktherapie vorgeschlagen.

drummingMusiktherapie hat sich als therapeutisches Förderungsangebot an heilpädagogischen Tagesstätten fest etabliert. Das hier geschilderte Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie ein Kind sich mit Hilfe der Musiktherapie aus seinen festgefahrenen Verhaltensweisen lösen und seiner Umwelt positiv gegenübertreten kann.

Barbara, ein 9-jähriges, geistig behindertes Mädchen, wurde von pädagogischen Mitarbeitern und einer therapeutischen Kollegin für die Musiktherapie vorgeschlagen.

Das Mädchen befand sich in einer Sackgasse: Sie verdarb es sich mit vielen Menschen, beschimpfte, verfluchte, verlachte oder bespuckte ihre Umgebung und stand so ohne Freunde, insbesondere ohne jegliche liebevolle Kontakte in Schule und heilpädagogischer Tagesstätte da.

In der Musiktherapie zeichneten wir zunächst das, was sie wollte, einander am Tisch gegenübersitzend, wie in einer abgebrochenen Therapie zuvor. Im Hintergrund lief Musik vom Band, wir summten, brummten und blödelten mit oder sangen ihre Lieblingslieder.

Barbara wurde ausgelassener, erlaubte sich dann alles: So zerstörte sie z. B. meine gezeichneten Kopien ihrer eigenen Bilder, verlachte meine Empfindungen. So vor den Kopf gestoßen, spielte ich manchmal Gitarre, anfangs zurückhaltende, später lustiger werdende Lieder über ihre Frechheit, aber auch über das, was sie Schönes tue. Musikalisch begleitet, ging sie öfters vorsichtig vom Tisch weg, Musikinstrumente anspielend, die stimmungsvolle Hintergrundmusik und die „Situationslieder" des Musiktherapeuten annehmend und zunehmend nutzend.

Sie bewegte sich nun vertrauensvoller im Therapieraum, bis sie auch zu sehnsuchtsvollen, traurigen Liedern mit Tränen in den Augen tanzte.

Sie fühlte nun mit der Musik mit, wurde weicher, beweinte den Tod des Löwenvaters in der Geschichte vom „König der Löwen", entdeckte ihre eigene Traurigkeit.

Nach 2 Jahren konnte die Musiktherapie beendet werden. Die Musik in der Musiktherapie hat das zunächst vor den Kopf stoßende Verhalten ausgehalten, nahm es auf, die verstummte nicht deswegen.

Weitere Fallbeispiele finden Sie auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Musiktherapie: www.musiktherapie.de

Und Barbara konnte sich dem reichhaltigen Spektrum der Musik öffnen, ihre abgewehrten, verlachten Gefühle integrieren und aus ihrer Sackgasse mit neuer Bewegung herausfinden.

Barbara geht es weiterhin gut, sie ist eine lebensfrohe, kontaktfreudige Jugendliche.

Autor: Guido Schmidt, Dipl. Musiktherapeut, Augsburg

Das Beispiel von Barbara ist der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Musiktherapie entnommen. Wir danken dem Autor herzlich, dass er uns die Erlaubnis zur Veröffentlichung auf moses-online gegeben hat.