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Verhalten und Verhaltensauffälligkeiten von Kindern in Pflege- und Adoptivfamilien – Erklärungen und Tipps

In diesem Schwerpunktthema befassen wir uns mit Verhaltensauffälligkeiten von Kindern. Das Verhalten des Pflege- und Adoptivkindes hat natürlich etwas zu tun mit dem, was er in seiner Ursprungsfamilie erlebt hat, also mit dem „früher“. Das Verhalten hat aber auch etwas zu tun mit dem „Hier und Jetzt“ d.h. mit dem, wie die jetzigen Erwachsenen um das Kind herum auf sein Verhalten reagieren.

Die neue Pflege-/Adoptivfamilie in der das Kind nun lebt passt nicht zu seinen bisherigen Lebenserfahrungen. Das neue Lebensumfeld wird daher vom Kind nicht verstanden oder - um es überhaupt verstehen zu können auf seine bisherigen Erfahrungen umgedeutet.

Das Verhalten des Pflege- und Adoptivkindes hat natürlich etwas zu tun mit dem, was er in seiner Ursprungsfamilie erlebt hat, also mit dem „früher“. Das Verhalten hat aber auch etwas zu tun mit dem „Hier und Jetzt“ d.h. mit dem, wie die jetzigen Erwachsenen um das Kind herum auf sein Verhalten reagieren.

Ein problematisches Verhalten löst beim Gegenüber erstens eine Reaktion IN der Situation und zweitens eine Reaktion ÜBER bzw. NACH der Situation aus. Eltern müssen entscheiden in welcher Form sie auf das Verhalten des Kindes reagieren. Diese Reaktion wird das Kind wiederum mit einer Reaktion beantworten.
Ein Verhalten macht Sinn und für das Kind ist auch das auffällige Verhalten sinnvoll.

Das Verhalten wird aber als schwierig oder auffällig empfunden, weil es nicht so richtig „passt“. Es ist die Aufgabe der Erwachsenen um das Kind herum – und im hohen Maße hier natürlich seiner Pflege-/Adoptiveltern dieses Verhalten des Kindes zu verstehen und mit ihm den Weg zu einem passenderen Verhalten zu suchen.

Inhaltsverzeichnis: 
Basiswissen

Schwerpunktthema Verhaltensauffälligkeiten - Einführung

Verhaltensauffälligkeiten sind für das Kind sinnvoll und machen Sinn. Ein auffälliges Verhalten ist eine Antwort, eine Lösung des Kindes auf ein Problem, dem es nicht anders zu begegnen weiß. Es sucht eine Lösung und hat sich dabei vergriffen. Es will nicht böse oder schlecht, aufmüpfig oder aggressiv sein, es weiß nur nicht den richtigen Weg. Wenn die Pflege- und Adoptiveltern, die ja die Experten für ihre Kinder sind, dies so sehen können, dann fühlen sie sich weniger provoziert und erkennen, dass das Kind Lösungen für ein Problem sucht – genau wie sie selbst.
Fachartikel

von:

Auswirkungen der Vorgeschichte auf das Verhalten des Kindes

Die Vorgeschichte des Kindes beeinflusst im hohen Maße das Verhalten des Kindes in der Familie und manches Verhalten wird - weil es nicht passt - als störend empfunden.
Alltag mit Kindern

Tipps für den Alltag

Es ist wichtig, dass Pflegeeltern aktiv auf Verhaltensauffälligkeiten reagieren. Diese Reaktion muss in einem zeitlichen Zusammenhang geschehen und dem Verhalten angemessen sein. Reagieren bedeutet auch ein Blickkontakt, eine Ermahnung, eine kurze Aufforderung, oder auch die Entscheidung das Verhalten zu ignorieren – ohne dass das Verhalten weiter diskutiert wird.
Alltag mit Kindern

Konflikte

Bei Konflikten mit Kindern wird durch erzieherisches Verhalten der Erwachsenen versucht, das Kind sozial verträglicher zu machen. Hilfreich ist auch die Veränderung des anderen Beteiligten am Konflikt – hier den Pflege- und Adoptiveltern. Sie können lernen vom Kind nur Dinge zu erwarten und zu fordern, die es auch leisten kann.
Basiswissen

Beispiele von Verhaltensweisen des Pflegekindes während der Integration des Kindes in der Pflegefamilie

Vor allem die heftigen Verhaltensweisen vieler Pflegekinder während der Phase von Konflikten (Übertragungsphase) fordern die Pflegeeltern in extremer Weise. Daher haben wir einige typische Verhaltensweisen beschrieben und mögliche Reaktionen der Pflegeeltern erläutert.
Übersicht

Verhaltensauffälligkeiten im Einzelnen

Hier beschreiben wir einzelne Verhaltensauffälligkeiten genauer.
Alltag mit Kindern

Loyalität und Loyalitätskonflikte

Loyalität ist ein Begriff für Gefühle der Treue, der Achtung, der Akzeptanz, der inneren Verbundenheit einem Menschen oder einer Idee gegenüber. Loyalität bedeutet, die Werte des anderen zu teilen und zu vertreten - auch dann zu vertreten, wenn man sie nicht vollumfänglich teilt. Loyalität ist immer freiwillig. Problematisch wird Loyalität dann, wenn sie gefordert wird. Unterschiedliche Forderungen verschiedener Menschen oder Dienste führen zu Loyalitätskonflikten.
Alltag mit Kindern

Fehlendes Vertrauen und Entwicklung von Vertrauen

Die Kinder, die neu in Pflege-/Adoptivfamilien vermittelt werden haben meist eine schwierige Vorgeschichte, die dazu führt, dass sie kein Vertrauen zu Erwachsenen haben – im Gegenteil, sie misstrauen allem und allen. Sie haben erfahren, dass die Welt nicht verlässlich ist, dass das Leben bedroht wird, dass Hilfe kaum zu erwarten ist, das man auf sich allein gestellt ist. Es gilt eigentlich nur, das ‚hier und jetzt’ zu überleben und zu bewerkstelligen. Das Leben ist ein Kampf. Dies ist die Sicht der Welt dieser Kinder.
Alltag mit Kindern

Essen horten - zu viel, zu wenig essen

Probleme mit dem Essen zeugen davon, dass das Kind in seiner Vorgeschichte schwere Vernachlässigung erlitten hat. Besonders sehr junge Kinder leiden in starkem Maße unter Vernachlässigung, weil sie diesem Verhalten der Eltern nichts entgegen zu setzen haben und hilflos und ohne ein Zeitempfinden ausgeliefert sind. Für diese Kinder bedeutet Vernachlässigung eine Traumatisierung.
Alltag mit Kindern

Distanz und Nähe

Behütete Kinder erleben in ihrer Entwicklung in den ersten Lebensjahren dass das Grundbedürfnis von Zugehörigkeit durch das fürsorgliche und angemessene Verhalten der Eltern wachsen kann. Sie fühlen sich den Eltern nahe, entwickeln Bindung und Vertrauen und entwickeln ein Gefühl von Nähe zu Vertrautem und Distanz zu Fremden. Diese Distanz zum Fremden entwickelt sich aus dem Wissen um die Nähe zum Vertrauten. Aus dem Vertrauten heraus betrachte ich mit Distanz das Neue und Fremde und entscheide dann, ob ich mich diesem Fremden nähere.
Alltag mit Kindern

Aggressives Verhalten

Das aggressive Verhalten eines Adoptiv- oder Pflegekindes kann sich gegen Menschen, Tiere und Sachen richten, es kann gewollt oder ungewollt sein. Aggressives Verhalten kann entstehen aus dem Gefühl der Macht, aus dem Gefühl der Ohnmacht oder einfach daraus, dass das Kind kein anderes Verhalten kennt.
Alltag mit Kindern

Sich Überanpassen und andere kopieren

Nach der Übersiedlung in die Pflegefamilie muss das Kind erst einmal die Art und Weise des Lebens, Denkens und Handelns dieser neuen Familie kennen lernen. Es möchte aber nicht direkt unangenehm auffallen und so tut es denn so, als würde es alles verstehen und richtig machen. Dazu schaut es sich an, was die anderen Mitglieder der Familie tun. Meist sucht es sich eines der Geschwisterkinder heraus und kopiert dessen Verhalten genau. Außerdem passt es sich den Tagesabläufen und Verhalten in der Familie sehr an. So kann es sein, dass es auch sofort Mama und Papa zu den Pflegeeltern sagt, weil dies die anderen Kinder ja auch tun.
Alltag mit Kindern

Sexualisiertes Verhalten

Sexualisiertes Verhalten eines Kindes drückt mit größter Wahrscheinlichkeit aus, dass das Kind sexuellen Missbrauch erlitten hat. Sexueller Missbrauch bedeutet, dass ein Erwachsener oder Jugendlicher seine Position der Macht, seine geistige und körperliche Überlegenheit und das Vertrauen und die Unwissenheit des Kindes dazu benutzt hat, seine eigenen sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen.
Alltag mit Kindern

Nie genug zu bekommen

Vernachlässigte Kinder sind – besonders wenn diese Vernachlässigung in den frühen ersten Lebensjahren geschah – traumatisierte Kinder. Pflegekinder sind sehr häufig schwer vernachlässigte Kinder, die den Erwachsenen noch nicht vertrauen. Diese Kinder leiden an einem Grundmangelgefühl. Sie haben das Gefühl, nie genug zu bekommen.
Basiswissen

Verhalten von Kindern mit FAS/FASD

Kinder mit Alkoholschädigungen erleben, dass ihr Verhalten oft nicht verstanden wird. Ein Verstehen ist jedoch notwendig, um passend mit diesem Verhalten umgehen zu können.
Fachartikel

von:

Strukturen, Grenzen, Rituale

Kinder in Adoptiv- und Pflegefamilien brauchen Sicherheit, Klarheit, Verlässlichkeit, Deutlichkeit, Kompetenz, Geborgenheit und Halt. Je chaotischer die innere Welt des Kindes ist, umso mehr braucht es einen geordneten, klaren und stabilen Rahmen. Dieser Rahmen soll ihm möglichst umfassende Sicherheit vermitteln durch sicherheitsgebende Strukturen, durch sicherheitsgebende klare Grenzen und sicherheitsgebende Rituale.