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Checkliste für dissoziative Erfahrungen von Kindern

Auf einer Checkliste für dissoziative Erfahrungen von Kindern (CDC, Version 3) werden mögliche Verhaltensweisen von Kindern beschrieben.

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Auf einer Checkliste für dissoziative Erfahrungen von Kindern (CDC, Version 3) werden mögliche Verhaltensweisen von Kindern beschrieben.

  1. Das Kind erinnert sich nicht an tatsächlich durchlebte/vorgefallene traumatische oder schmerzhafte Ereignisse, oder es streitet sie ab.
  2. Das Kind gleitet manchmal ab in einen Zustand der Benommenheit oder Trance oder wirkt oft "weggetreten". Möglicherweise teilen Lehrer mit, dass es häufig in der Schule "tagträumt".
  3. Das Kind zeigt sprunghafte Veränderungen in seinem Verhalten. Es ist zum Beispiel abwechselnd schüchtern und kontaktfreudig, abwechselnd mädchen- und jungenhaft, oder ängstlich und aggressiv.
  4. Das Kind ist ungewöhnlich vergesslich oder durcheinander im Hinblick auf Dinge, die es eigentlich wissen sollte. Z. Bsp. vergisst es den Namen von Freunden, Lehrern oder anderen wichtigen Personen, verliert Dinge, die ihm gehören oder ist oft selbst plötzlich verschwunden.
  5. Das Kind hat ein sehr schlechtes Zeitgefühl. Sein Zeitverständnis kommt durcheinander, es glaubt möglicherweise am Nachmittag, es sei Morgen, bringt die Tage durcheinander oder weiß nicht mehr, wann etwas geschehen ist.
  6. Das Kind verändert sich auffallend von Tag zu Tag oder sogar von Stunde zu Stunde in Bezug auf seine Geschicklichkeiten, Kenntnisse, Lieblingsspeisen, sportlichen Fähigkeiten. Es hat z. B. eine andere Schrift, ein verändertes Erinnerungsvermögen an zuvor Gelerntes, wie das 1 x 1, die Rechtschreibung oder den Gebrauch von Wörtern. Es geht anders mit Werkzeugen um oder zeigt andere künstlerische Fähigkeiten.
  7. Das Kind fällt plötzlich in Verhaltensweisen zurück, die seinem Alter nicht entsprechen, z. B. beginnt ein zwölf Jahre altes Kind die Babysprache zu sprechen, lutscht am Daumen oder zeichnet wie ein vierjähriges Kind.
  8. Das Kind hat Schwierigkeiten, aus Erfahrung zu lernen, z. B. verändern Erklärungen, normale Erziehungsmaßnahmen oder Strafen sein Verhalten nicht.
  9. Das Kind lügt oder bestreitet ein Fehlverhalten auch dann noch, wenn das ganz offensichtlich ist.
  10. Das Kind spricht von sich selbst in der dritten Person (z. B. mit "sie" oder "er"), oder es besteht manchmal darauf, mit einem anderen Namen angesprochen zu werden. Es behauptet vielleicht, dass Dinge, die es selbst getan hat, in Wirklichkeit einer andere Person passiert sind.
  11. Das Kind ändert sehr schnell seine Aussagen über körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Bauchweh. So klagt es vielleicht in einer Minute über Kopfschmerzen und hat dies in der nächsten schon wieder vergessen.
  12. Das Kind ist sexuell ungewöhnlich frühreif und zeigt vielleicht, seinem Alter nicht entsprechende sexuelle Verhaltensweisen gegenüber anderen Kindern oder Erwachsenen.
  13. Das Kind leidet an unerklärlichen Verletzungen oder verletzt sich vielleicht manchmal sogar selbst.
  14. Das Kind berichtet davon, Stimmen zu hören, die zu ihm sprechen. Die Stimmen können freundlich oder ärgerlich sein und von "imaginären Gefährten" stammen. Sie können sich auch wie die Stimmen von Eltern, Freunden oder Lehrern anhören.
  15. Das Kind hat einen oder mehrere lebhafte imaginäre Gefährten. Das Kind kann darauf bestehen, dass der/die imaginäre/n Gefährte für Dinge verantwortlich ist, die es getan hat.
  16. Das Kind hat heftige Wut(Ärger)ausbrüche, oft ohne erkennbaren Grund, und verfügt möglicherweise während dieser Episoden über ungewöhnliche körperliche Kräfte.
  17. Das Kind schlafwandelt häufig.
  18. Das Kind hat in der Nacht ungewöhnliche Erlebnisse. Es erzählt vielleicht, "Geister" gesehen zu haben, oder dass nachts Dinge geschehen, für die es nicht verantwortlich ist (z. B. zerbrochenes Spielzeug, unerklärliche Verletzungen).
  19. Das Kind spricht häufig mit sich selbst, wobei es vielleicht mit einer anderen Stimme redet oder manchmal mit sich selbst schimpft/streitet.
  20. Das Kind hat zwei oder mehrere unterschiedliche und eigenständige Persönlichkeiten, die die Kontrolle über das Verhalten des Kindes übernehmen.

Quelle: www.kindertraumainstitut.de

Letzte Aktualisierung am: 
07.01.2013

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