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Biografiearbeit als Prozess

Die Biografiearbeit ist ein Prozess nicht nur für das Kind sondern auch für denjenigen, der mit dem Kind diese Arbeit macht.

Die Biografiearbeit ist ein Prozess nicht nur für das Kind sondern auch für denjenigen, der mit dem Kind diese Arbeit macht.

Tony Ryan und Roger Walker schreiben in ihrem Buch: Wo gehöre ich hin? Auf Seiten 18/19 unter der Überschrift:

Was verlangt die Biografiearbeit von dem Erwachsenen?

Wer mit einem Kind Biografiearbeit macht, benötigt Wachsamkeit und Geduld für die Hinweise, die das Kind geben könnte. Besonders während der Sitzungen, in denen nicht viel passiert, weil das Kind nicht in der Stimmung ist oder testen will, ob man vertrauenswürdig ist. Die Person muss dem Kind gegenüber auch einfühlsam sein. Es gibt keine Gebrauchsanweisung für die Biografiearbeit, das Kind ist jedoch immer der Schlüssel dafür. Es liegt in der Verantwortung des Erwachsenen, Weg zu finden, die es dem Kind ermöglichen, über sein Leben zu sprechen; man sollte es vermeiden, die eigene Betrachtungsweise aufzudrängen. Genauso, wie man es nicht zulassen sollte, offensichtlich falsche Informationen aufzuzeichnen, gilt es ebenso zu vermeiden, das Ruder zu übernehmen und somit die „beeinflusste Version“ vom Leben eines Kindes zu produzieren. Es ist immer noch die Lebensgeschichte des Kindes und wichtig ist seine Sichtweise.

Es ist auch wichtig dem Kind zu vermitteln, dass die Aufzeichnung geändert werden kann. Manche Kinder werden zu einem späteren Zeitpunkt wichtige Informationen offenbaren, welche sie gerne zur ihrer Lebensgeschichte hinzufügen möchten.

Es gibt Fehler, die weniger erfahrene Personen manchmal machen, mit gesundem Menschenverstand können diese aber leicht vermieden werden:

1. Niemals das Vertrauen verraten, dass das Kind einem schenkt.
2. Nicht vermeiden über Sachen zu sprechen, über die das Kind sprechen will, weil sie einem selbst unangenehm sind.
3. Dem Kind keine Wörter in den Mund legen.
4. Sobald man die Aufgabe übernommen hat, Biografiearbeit zu machen, darf man nicht das Kind auf halber Strecke damit allein lassen und hoffen, dass jemand anderes die Arbeit beendet. Man sollte damit so lange fortfahren, bis man sich mit dem Kind einig ist, dass es Zeit ist, die regelmäßigen Sitzungen zu beenden.
5. Weder das Endprodukt noch die durchgeführte Biografiearbeit als Belohnung oder als Druckmittel benutzen, sondern lediglich als einen normalen Teil des gemeinsamen Lebens.
6. In der Geschwindigkeit des Kindes vorgehen, nicht in der eigenen – es geht auf diese Art und Weise sogar schneller! Ein Kind zu hetzen bringt es nur dazu, langsamer zu werden oder an Details hängen zu bleiben.
7. Beständigkeit – das Kind muss wissen, wann man kommt. Nicht die Arbeit anfangen und dann sagen, man kommt wieder, wenn man Zeit hat. Das führt dazu, dass das Kind einem nicht länger vertraut und sich verletzt fühlt.

Biografiearbeit bedeutet, sich mit der Vorgeschichte des Kindes auseinander zu setzen. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Frage, wie ich als Erwachsener diese Vorgeschichte aushalten kann und wie ich sie dem Kind vermitteln kann.

Letzte Aktualisierung am: 
11.03.2009