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05.08.2022
Aktuelles zur Institution

Landesverband für Pflege- und Adoptiveltern im Land Sachsen-Anhalt e.V.

Weg und Entwicklung eines Landesverbandes in 25 Jahren.
Gründung und die ersten Jahre

Der Landesverband für Pflege- und Adoptiveltern im Land Sachsen-Anhalt e.V. besteht im Jahr 2022 bereits 25 Jahre. Er wurde 1997 in Egeln gegründet, um den Pflege- und Adoptiveltern aus Sachsen-Anhalt einen Anlaufpunkt zu geben. Bei der Gründung war die damalige Pflegeelternschule der AWO Halberstadt, das Landesjugendamt und der Bundesverband maßgeblich beteiligt.

Der Landesverband entwickelte sich zu einer Anlaufstelle für Pflegeeltern, die aufgrund der besonderen Eltern-Kind-Konstellation manchmal ratlos waren und Unterstützung suchten. Die Mitglieder des Landesverbandes sahen sich als Bindeglied zwischen den Pflegeeltern und den Jugendämtern.

Anfänglich standen die jährlichen Treffen der Pflegefamilien zu einem Bildungswochenende in Arendsee im Mittelpunkt. Erfahrungsberichte oder Wissenserweiterung und Auftanken der Seele waren der Brennpunkt des Verbandslebens. Die Weiterbildung übernahm Henrike Hopp. Sie ist immer ein Garant für interessante Gespräche, fachliche Informationen und ein Ratgeber für die Pflegeeltern. Zehn Jahre lang wurden diese sogenannten BIWOs durchgeführt. Für unsere Mitglieder wurden in Zusammenarbeit mit dem Verlag Moses online Informationsbroschüren angefertigt und herausgegeben.

Als diese Bildungsfahrten nicht mehr stattfanden wurde es still um den Landesverband. Wenn sich keine neuen Mitglieder bereit erklären, den Verband weiter zu führen, droht die Auflösung. Aber damit ist keinem geholfen. Die Arbeit auf Landesebene ist wichtig, auch in Zusammenarbeit mit den anderen Familienverbänden. Kurz vor dieser drohenden Auflösung fanden sich neue Vereine aus denen sich ehrenamtliche Mitglieder bereit erklärten, den anfänglichen Weg weiter zu gehen.

Die Feierlichkeiten zum 20jährigen Bestehen 2017 wurden noch einmal dafür genutzt, die Arbeit des Verbandes bis dahin Revue passieren zu lassen. Die geladenen Politiker haben gesprochen. Workshops für die Pflegeeltern wurden organisiert. Austausch und interessante Gespräche wurden geführt.

Die Umstrukturierung

Dann zog der Landesverband 2018 in den Harzkreis um. Mit einem fast komplett neuen Vorstand begann die Arbeit für die Interessen der Pflege- und Adoptiveltern im Land. Gespräche mit den Behörden, wie dem Ministerium und den Jugendämtern standen auf der Agenda. Zu den ersten Aufgaben zählte die Organisation und Durchführung eines Fachtages in Halberstadt 2018. Politiker, Mitarbeiter der Jugendbehörden und Pflege- und Adoptiveltern aus ganz Sachsen-Anhalt wurden eingeladen. Interessanten Vorträgen folgte eine konstruktive Diskussion zwischen allen Beteiligten.

Da der Bördekreis sich am Fachtag in Halberstadt aufgrund einer Neuorientierung nach den Kreistagswahlen nicht beteiligen konnte, wurde zu einem zweiten Fachtag für die Pflege- und Adoptiveltern, dem Allgemeinen Sozialen Dienst und dem Pflegekinderdienst in Haldensleben 2019 eingeladen. Auch hier war ausreichend Redebedarf vorhanden.

Erreichte Ziele

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter kamen immer mehr an ihre Grenzen. Die Probleme der Pflegeeltern wuchsen stetig. Die Politik wurde mit ins Boot geholt. Schwierig waren die Rahmenbedingungen im Pflegekinderwesen. Um sich einen Überblick zu verschaffen stellte die Fraktion der Partei DIE LINKE im Landtag am 17.10.2018 die große Anfrage. Jugendämter sollten Auskunft über verschiedene Themen geben. Im Februar 2019 erschien die Auswertung und das Ergebnis war ernüchternd. Für Pflegekinder war es also wichtig in welchem Landkreis von Sachsen-Anhalt sie wohnten, denn die Unterschiede in den Zuwendungen und Beihilfen waren gravierend. Im Ergebnis wurde in Zusammenarbeit mit dem Landesverband erreicht, dass die Pflegegeldverordnung überarbeitet wurde. Eine Angleichung des Pflegesatzes an die Vorgaben des Deutschen Vereins wurden im Landtag von Sachsen-Anhalt beschlossen und gelten einheitlich in diesem Bundesland. Jährliche Anpassungen an die Vorgaben sind inclusive.

Die Geschäftsstelle mit hauptamtlichem Geschäftsführer

Die Aufgaben wurden anspruchsvoller und die Anfragen von Pflegeeltern an den Landesverband spezifischer, so dass 2018 die Idee reifte einen Geschäftsführer zu engagieren. Nach anfänglichem Für und Wider wurden Fördergelder beim Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration beantragt. Diese machten jedoch bald klar, dass eine Förderung eines Geschäftsführers nur im Zusammenhang mit der Förderung einer Geschäftsstelle erfolgen kann.

Also wurden wieder und wieder Anträge gestellt und Kalkulationen durchgeführt. Für uns als Ehrenamtliche kein leichtes Unterfangen. Nach einem gefühlt „endlosen“ Schriftverkehr wurde zum 01.08.2020 die Geschäftsstelle mit einem Geschäftsführer bewilligt.

Nun ging es mal um andere Aufgaben, als die üblichen Pflegeprobleme. Wir brauchten Geschäftsräume, die ins Budget passten und die vorgegeben Ansprüche erfüllten. Dann ging es ans Einrichten. Einrichtungen wurden gekauft, Möbel aufgestellt und die nötigen 1000 Kleinigkeiten, die ein Büro arbeitsfähig machten wurden besorgt. Dann kam die schwierigste Aufgabe, einen Geschäftsführer zu finden, der die auferlegten Voraussetzungen erfüllte. Die Stellenausschreibung wurde veröffentlicht, doch für die Besetzung brauchten wir noch ein halbes Jahr. Bis dahin wurde die Geschäftsstelle durch die Ehrenamtlichen besetzt und betreut. Mit einer ausgebildeten Sozialpädagogin konnten wir dann endlich am 01.01.2021 durchstarten.

Die Vorstellung des Landesverbandes mit der Geschäftsführerin in den Landkreisen und den Jugendämtern erwies sich jedoch im Lockdown während der Corona-Pandemie als kein leichtes Unterfangen. Die per Mail geknüpften Kontakte konnten dank der Technik per Videokonferenz durchgeführt werden. Aber nichts geht über ein persönliches Gespräch. Wenn erst Präsenzveranstaltungen geplant und durchgeführt werden können, haben Gespräche wieder den Charakter einer Unterhaltung. Auch Kontakte zu den Vereinen im Land wurden aufgenommen, die sich bis jetzt noch nicht dem Landesverband angeschlossen hatten. Dafür wurde die Veranstaltung „Treffen der Vereine“ initiiert. Dank der Lockerungen der Hygienevorschriften des Landes konnten sich alle am 03. Juli 2021 in Schlanstedt treffen. Die Veranstaltung wurde gut besucht. Der Landesverband stellte seine Aufgaben und Ziele vor. Interessante Diskussionsrunden entstanden. Frau Hopp stellte die Neuerungen des SGB VIII vor und erläuterte den Inhalt. Die Gäste begrüßten den Charakter dieser Veranstaltung und wünschen eine Wiederholung.

Am 25.09.2021 haben wir in der Mitgliederversammlung die Satzung und die Beitragsordnung überarbeitet und beschlossen. Auch haben wir uns einen neuen Vorstand gewählt. Dank der Aufnahme und Mitarbeit der Vereine aus Haldensleben, Wittenberg und Bernburg konnten wir Mitglieder gewinnen, die, neben den bisherigen Vorstandsmitgliedern, die Arbeit im Vorstand aktiv unterstützen.

Leider beendete Ende Oktober unsere Geschäftsführerin ihr Arbeitsverhältnis und die Suche nach einem neuen Geschäftsführer gestaltete sich schwierig. Aber am 01.12.2021 konnten wir unsere jetzige Geschäftsführerin begrüßen und dank einer intensiven Schulung schnell mit den täglichen Aufgaben betrauen.

Jugendämter wurden, gemeinsam mit der Vorsitzenden, besucht und die Arbeit auf Landesebene in der LAGF aufgenommen.

Am 02.07.2022 feierten die Verbandsmitglieder ihr 25jähriges Bestehen mit einer Podiumsdiskussion mit einer Vertreterin aus dem Ministerium, Vertretern der Parteien DIE LINKE und der CDU, der Leiterin des Fachzentrums für Pflegekinderwesen und mit Jugendamtsleitern aus verschiedenen Landkreisen. Nach intensiven Vorbereitungen begann die Veranstaltung unter dem Thema „Pflegefamilien – ein Hafen für besondere Kinder“ mit einem kurzen Rückblick auf die 25 Jahre Verbandsleben und dank des Inputs von Henrike Hopp mit einer regen Beteiligung und interessanten Beiträgen aus Politik und Behörden und vielen teils auch kritischen Fragen aus dem Publikum.

Zusammenarbeit auf Bundesebene

Die Zusammenarbeit mit den anderen Familienverbänden in der Landesarbeitsgemeinschaft der Familienverbände (LAGF) stärkt die Position im Land und in der Arbeitsgemeinschaft Kinderpflege Mitteldeutschland auf Bundesebene.

Fazit

Das anfänglich oberste Ziel des Landesverbandes für Pflege- und Adoptiveltern im Land Sachsen-Anhalt e.V. das Verständnis, den Respekt und die Wertschätzung aller Bürger, Unternehmen, Institutionen sowie der öffentlichen Verwaltung für Pflege- und Adoptivkinder einzufordern und zu stärken – kurzum: eine Lobby für das Adoptiv- und Pflegekinderwesen zu schaffen, war uns ist ein Eckpfeiler unserer Arbeit.

Jedoch ist inzwischen auch die politische Ebene immer mehr in den Fokus gerückt. Die Zusammenarbeit mit der Politik und den Behörden ist Hauptbestandteil der täglichen Routine. Dabei kommen aber die Pflege- und Adoptivfamilien mit ihren kleinen und großen Problemen nicht zu kurz, denn für sie gibt es immer ein offenes Ohr. Sie haben nach wie vor Priorität.

Autorin: Liane Rosemund - Vorstandsmitgleid des Landesverbandes