Rechte und Möglichkeiten von Pflegeeltern in krisenhaften Entwicklungen

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Thema: Kindeswohlgefährdung Pflegeeltern Gerichtsverfahren Besuchskontakt | Umgang Herausgabe des Kindes

Personen / Institutionen: Henrike Hopp

09.06.2017, letzte Aktualisierung am 19.06.2017
Wie können Pflegeeltern bei Herausnahmeverlangen, veränderten Besuchskontakten etc. reagieren und welche Rechte haben sie? In diesem Artikel erhalten Sie unverzichtbare Basis-Informationen.

Selbstverständlich ist es von größter Bedeutung, wenn alle Beteiligten um das Pflegekind herum an einem Strang ziehen würden und eine Perspektive für das Kind vertreten. Wir wissen aber alle, dass dies in der Praxis oft nicht so ist. Leibliche Eltern, Vormund, Fachkräfte des Jugendamtes oder der beratenden Freien Träger und die Pflegeeltern sind nicht immer einer Meinung. Dann werden in gemeinsamen Gesprächen Lösungen gesucht, denn wir wissen, dass Uneinigkeit der Erwachsenen beim Pflegekind zu Loyalitätskonflikten, zu mangelnder Sicherheit und eingeschränktem Vertrauen führen kann. Es ist durchaus der Wunsch aller Beteiligten, dass es dem Kind gut gehen soll, aber es werden unterschiedliche Wege dafür vorgeschlagen. Meist werden Balancen und Absprachen gefunden und so der Alltag des Kindes in der Pflegefamilie positiv ermöglicht. Dieses Miteinander kann durch plötzliche Ansprüche oder Bedenken ins Wanken geraten.

Unerwartete Änderungswünsche der bisherigen gemeinsamen Planung können sein:

  • ein plötzlicher Rücknahmewunsch der leiblichen Eltern,
  • ein massiver Veränderungswunsch der Besuchskontakte,
  • eine angedachte Überwechslung in eine Heimeinrichtung und
  • bei besonders beeinträchtigten Kindern die mehr oder weniger offen gestellte Frage: „Können die Pflegeeltern das überhaupt noch leisten“?

Wenn solche unerwarteten möglichen Veränderungen nicht in Augenhöhe mit den Pflegeeltern besprochen und das Für und Wider nicht mit ihnen diskutiert wird, wenn die Begleiter der Pflegeeltern und der leiblichen Eltern nur vage Position beziehen oder der Vormund nicht als solcher auftritt, entstehen Ängste, Ungläubigkeit, Hilflosigkeit und Vertrauensverlust. Die Pflegeeltern fühlen sich mit ihrem Pflegekind in einer Krise allein gelassen. Sie überlegen dann, ob sie die Dinge einfach auf das Kind und sich selbst zukommen lassen sollen oder ob selbst aktiv werden wollen.

Damit Pflegeeltern selbst aktiv werden können, müssen sie sich vorab mit drei besonderen Fragen beschäftigen:

  • Wäre die geplante Veränderung aus ihrer Sicht eine Kindeswohlgefährdung?
  • Wie weit möchten sie selbst zur Verhinderung dieser möglichen Gefährdung aktiv werden?
  • Welche Rechte haben sie als Pflegeeltern, wenn andere Beteiligte (leibliche Eltern, Vormund, Jugendamt) auf der Durchsetzung der Veränderung bestehen?

Was ist Kindeswohl und Kindeswohlgefährdung?

Der Begriff ‚Kindeswohl‘ und auch eine detaillierte Beschreibung des Begriffes ‚Kindeswohlgefährdung‘ ist gesetzlich nicht zu finden. Beide Begriffe sind so genannte ‚unbestimmte Rechtsbegriffe‘. Dies bedeutet, dass in jedem einzelnen Fall beschrieben werden muss, was los ist und dann interpretiert wird, ob diese Situation noch für das Kindeswohl ausreicht oder schon in die Richtung der Kindeswohlgefährdung geht.
Für das Kindeswohl gibt es eine klare Grundregel: Werden die kindlichen Grundbedürfnisse ausreichend befriedigt oder nicht? Werden sie ausreichend befriedigt können wir annehmen, dass das Kindeswohl gesichert ist.

Bei der Sicherung der Grundbedürfnisse eines Kindes kommt es natürlich auf das Alter des Kindes, auf seinen Entwicklungsstand und auf seine spezielle Bedürfnisse z.B. bei Behinderungen an. Selbstverständlich auch auf die Frage, wie ist das Kind bisher aufgewachsen? Hat es schon schwerwiegenden Mangel, möglicherweise Gewalt oder Beeinträchtigungen erlebt? Wenn ja, wird es auf erneute Einschränkung seiner Grundbedürfnisse anders reagieren, als wenn es behütet und sicher aufgewachsen wäre.

Der Bundesgerichtshof hat 1956 Kindeswohlgefährdung folgendermaßen definiert

Eine Kindeswohlgefährdung ist eine gegenwärtige in einem solchen Maße vorhandene Gefahr (für das Kind), dass sich bei der weiteren Entwicklung eine erhebliche Schädigung mit ziemlicher Sicherheit voraussehen lässt.

Gemäß dieser Definition müssen drei Kriterien gleichzeitig erfüllt sein, um von einer Kindeswohlgefährdung ausgehen zu können:

  • Die Gefährdung des Kindes muss gegenwärtig gegeben sein.
  • Die gegenwärtige oder zukünftige Schädigung muss erheblich sein.
  • Die Schädigung muss sich mit ziemlicher Sicherheit vorhersehen lassen, sofern sie noch nicht eingetreten ist.

Das heißt, dass ein Verhalten oder Unterlassen gegenüber dem Kind für dieses gefährdend ist und eine nachhaltige Schädigung seiner körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung zu erwarten ist.

Natürlich hat eine solch zu erwartende Schädigung unmittelbar mit den nun zu erfolgenden Handlungen zum Schutze des Kindes zu tun. Zuerst ist hier der Sorgeberechtigte gefordert: Hat der oder die Sorgeberechtigte die Fähigkeit und die Bereitschaft die Gefahr abzuwenden bzw. die zur Abwendung der Gefahr erforderlichen Maßnahmen zu treffen?

Wenn ja, muss dies unverzüglich erfolgen, wenn nein, muss das Jugendamt eine Kinderschutzmaßnahme ergreifen z.B. eine Inobhutnahme und das Familiengericht einschalten.

Wie können Pflegeeltern selbst aktiv werden?

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