Leben mit traumatisierten Kindern - 1. Beispiel

Eine Pflegemutter bereitet in ihrer Küche eine Feier vor. Sie ist spät dran und wirbelt herum. Es ist laut in der Küche und die Pflegemutter schwingt Töpfe und Pfannen, rast hierin und dorthin und bewegt sich heftig. Das Pflegekind ist – wie eigentlich meistens – in ihrer Nähe. Plötzlich fällt der Blick der Mutter auf das Kind, und in der Bewegung erstarrt sie. Das Kind sitzt zusammengekauert in der Ecke der Küche, hält beide Arme wie zum Schutz über den Kopf und zittert heftig. Es wird ganz ruhig in der Küche. Die Pflegemutter kniet sich zum Kind, spricht beruhigend auf es ein. Nach einer kleinen Weile kann sie es in den Arm nehmen und wiegen. Das Kind beruhigt sich, entspannt sich und sagt immer wieder: “ich hatte solche Angst, dass du mich schlagen würdest.“

Was nützen da so genannte sinnvolle Erläuterungen „du weißt doch, dass wir dich nicht schlagen“, „wir haben dich doch noch nie geschlagen“, „du brauchst doch keine Angst zu haben“. In dem Moment nützen sie gar nichts.

Auch Fragen nach dem Grund des Erschreckens und warum es denn Angst habe helfen jetzt nichts.

Auch die Erklärung: Du hättest doch nur was sagen brauchen – bringen jetzt nichts.

Jetzt braucht das Kind die Akzeptanz seines Schreckens, Anteilnahme, Trost und Schutz.

Später, wenn es sich beruhigt hat kann die Pflegemutter anders mit ihm umgehen und es ansprechen.


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Inhalte: Gewalt Sicherheit Traumatisiertes Kind

Artikeltyp: Erfahrungsberichte