Interessantes für die Pflegekinderhilfe aus den Stellungnahmen der Experten

Kategorien

Thema: SGB VIII-Reform

Personen / Institutionen: Bundesrat Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände Ludwig Salgo Marie-Luise Conen Reinhard Wiesner Wolfgang Hammer

25.07.2017, letzte Aktualisierung am 30.07.2017
Stellungnahmen der Experten bei der Öffentliche Anhörung des Bundesrats vom 19.6.2017 zum Thema „Stärkung von Kindern und Jugendlichen“. Zwölf Personen und Institutionen sind vom Bundesrat gebeten worden, eine fachliche Stellungnahme für das Kinder- und Jugendstärkungsgesetz zu erarbeiten. Die einzelnen Stellungnahmen beziehen sich auf unterschiedliche Änderungsvorschläge des Gesetzes, je nach Schwerpunkt, fachlicher Arbeit und Erfahrung des Experten.

Die Stellungnahmen von Frau Dr. Marie-Luise Conen, Dr. Wolfgang Hammer, Prof. Dr. Ludwig Salgo und Prof. Dr. Reinhard Wiesner beschäftigten sich zum Teil sehr umfänglich mit dem Thema Pflegekinder, Pflegefamilien und Herkunftsfamilien.

Es geht in den folgenden Auszügen aus den Stellungnahmen nicht darum, ob die Experten pro oder contra des Gesetzentwurfes eingestellt sind, sondern darum, interessante Informationen zum Thema zu finden. Aber natürlich zeigt sich in den Informationen auch die Position der einzelnen Experten zur geplanten SGB VIII - Reform.

Stellungnahme von Dr. Marie-Luise Conen

Dr. Marie-Luise Conen Dipl.-Päd., Dipl.-Psych., Familientherapeutin, Leiterin des Context-Instituts für systemische Therapie und Beratung, Autorin. Frau Dr. Conen engagiert sich in ihrer Stellungnahme in besonderem Maße für die Unterstützung der Herkunftsfamilie. Ihre Sichtweise wird besonders geprägt durch ihre Arbeit im Rahmen familiensystemischer Therapie und Beratung mit Multiproblem-Familien.

Auszüge aus ihrer Stellungnahme

Der vorliegende Gesetzentwurf kommt erneut nicht der Forderung von Experten nach, Kinder/ Jugendliche und Herkunftsfamilien zu stärken und dies vor allem durch eine verbindliche Regelung von Elternarbeit zu sichern, die eine gezielte Rückführung der Kinder und Jugendlichen ermöglicht. Stattdessen wird in dem Gesetzentwurf die Stellung der Herkunftseltern in einem hohen Maß geschwächt und die Bindungen und Loyalitäten der Kinder/ Jugendlichen zu ihren Eltern werden ignoriert. […]

In diesem Zusammenhang werden weder die verschiedenen Belastungen durch Armut und unzureichendem Zugang zu Ressourcen im Umfeld noch die Krise, in der sich die Familie befindet, als konstituierende Elemente einbezogen. In den Bemühungen nunmehr – auch aus Kostengründen – Rückführungen der Kinder in ihre Herkunftsfamilien zu unterstützen, stellt sich nicht selten heraus, dass die Herkunftsfamilie in der Zwischenzeit seit der Fremdunterbringung kaum oder nur unzureichend weitere Unterstützung und Vorbereitung auf ein erneutes gemeinsames Zusammenleben erhält. Damit werden aber von Beginn an die Weichen dafür gestellt, dass eine Rückkehr faktisch nicht stattfinden wird, die Unterbringung in der Pflegefamilie wird zur „Einbahnstraße“. [...]

Die Eltern als eine „Gefahr für Kinder“ zu betrachten, geht einher mit einer umfänglichen Kinderschutz“hysterie“, die u.a. auf der Basis nicht korrekter Daten sowie der Interpretation von Daten beruht.

Dabei ist die Zahl der toten Kinder in den letzten ca. 20 Jahren ungefähr gleich geblieben (Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS), 2012: 97 tote Kinder) und liegt bei ungefähr 100 toten Kindern jährlich (1,3 pro Woche).

Hier fehlen ca. 97 Zeilen - Zugriff erhalten Sie mit unserem Abonnement.

Stellungnahme Dr. Wolfgang Hammer

Freiberuflicher Soziologe/Fachautor, langjähriger Ko-Koordinator und Sprecher der Länder für Kinder-und Jugendpolitik und Kinderschutz und als Vertreter der Jugend-und Familienministerkonferenz beim Runden Tisch Sexueller Kindesmissbrauch

Auszüge aus seiner Stellungnahme:

Der Monitor Hilfen zur Erziehung (Quelle akjstat: 2012/2016) weist aus, dass die durchschnittliche Verweildauer in der Vollzeitpflege im Zeitraum von 2012 bis 2016 von 50 auf 40 Monate zurückgegangen ist. In der Heimerziehung ist ein Rückgang von 27 auf 20 Monate zu verzeichnen. Von diesen Hilfen wurden 55,2% in der Heimerziehung und 46,5 in der Vollzeitpflege ungeplant beendet. Jedes 2. fremd untergebrachte Kind muss also damit rechnen, nach knapp 2 Jahren nicht mehr im Heim zu sein und nach gut 3 Jahren aus seiner Pflegefamilie entlassen zu werden. Ebenso ist Fakt, dass jede 2. Hilfeplanung bei Fremdunterbringung nicht aufgeht. [...]

Hier fehlen ca. 8 Zeilen - Zugriff erhalten Sie mit unserem Abonnement.

Stellungnahe Prof. Dr. jur. Ludwig Salgo

Fachbereich Rechtswissenschaft und Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt/Main.
Prof. Salgo ist langjähriger Experte in Fragen des Pflegekinderwesens. In vielen Veröffentlichungen und Stellungnahmen hat er immer wieder die Bedeutung der Kontinuitätssicherung (“permanency planning”) für fremdplatzierte Kinder hervorgehoben und in dieser Hinsicht eine deutliche Verbesserung der Pflegekinderhilfe eingefordert.

Die gesamte Stellungnahme von Ludwig Salgo bezieht sich auf das Pflegekinderwesen

Auszüge aus seiner Stellungnahme:

So sind lediglich ca. 0,4 % aller Minderjährigen in Deutschland Pflegekinder im Sinne des Kinder-und Jugendhilferechts (Vollzeitpflege gemäß §§ 33, 27 SGB VIII).

Allerdings belegt die in- owie ausländische Pflegekinderforschung, dass Pflegekinder eine besonders belastete und mit Blick auf Einschränkungen ihrer psychischen Gesundheit eine äußerst vulnerable
Gruppe junger Menschen repräsentieren. Diesbezüglich weisen die in Deutschland vorliegenden Studien zur Prävalenz psychischer Belastungen und traumatischer Erfahrungen bei Pflegekindern diese Kindergruppe als „Hochrisikogruppe“ , bzw. in etwas milderer Formulierung, als „risikobehaftete Gruppe“ aus.

Hier fehlen ca. 24 Zeilen - Zugriff erhalten Sie mit unserem Abonnement.

Stellungnahme Prof. Dr. Dr. h.c Reinhard Wiesner

Freie Universität Berlin, Arbeitsbereich Sozialpädagogik, Langjähriger Leiter des Referats Rechtsfragen der Kinder- und Jugendhilfe im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Auszüge aus seiner Stellungnahme:

Unter Hinweis auf bereits vorhandene Belastungen, die zur Herausnahme des Kindes oder Jugendlichen aus der Herkunftsfamilie geführt haben, und zur Vermeidung der Verstärkung bzw. Verfestigung negativer Folgen soll künftig bereits zu Beginn des Leistungsprozesses bei stationären Hilfen eine sogenannte Perspektivklärung vorgenommen werden, also prognostiziert und auch im Hilfeplan festgehalten werden, ob die Leistung zeitlich befristet sein oder eine auf Dauer angelegte Lebensform bieten soll. Eine solche zeitliche Festlegung enthält § 37 Abs. 1 SGB VIII in der geltenden Fassung nicht.

Hier fehlen ca. 25 Zeilen - Zugriff erhalten Sie mit unserem Abonnement.

Stellungnahme der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände

Auszüge aus der Stellungnahme im Hinblick auf die Pflegekinderhilfe:

Eine gesetzliche Verpflichtung zur Beratung, Unterstützung und Förderung von Zusammenschlüssen von Pflegepersonen ist abzulehnen.

Durch die Einführung des § 37a wird ein neuer konkreter Rechtsanspruch für Eltern, auch wenn sie nicht sorgeberechtigt sind, auf Beratung und Unterstützung, sowie Förderung der Beziehung zu ihrem Kind kreiert. Hiermit wären massive finanzielle Folgen für die öffentliche Jugendhilfe verbunden. Die Einführung der Regelung ist abzulehnen. Darüber hinaus bleibt die örtliche Zuständigkeit für diese Hilfen unklar und dies würde erhebliche Klärungsbedarfe nach sich ziehen.

Alle Stellungnahme in voller Länge finden Sie hier auf der Webseite des Bundesrats