Grenzverletzungen durch digitale Medien

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Thema: Sexueller Missbrauch Umgang mit Medien | Internet

Personen / Institutionen: Henrike Hopp

01.02.2017, letzte Aktualisierung am 14.02.2017
Sexualisierte Grenzverletzungen und Gewalt mittels digitaler Medien. Wir alle nutzen digitale Medien regelmäßig. Digitale Medien bergen unendliche Möglichkeiten, sowohl förderliche als auch beängstigende und gefährdende. Auf eine besondere Gefährdung macht der "Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Missbrauchs" aufmerksam.

Wir alle – wir Erwachsenen und auch unsere Kinder – nutzen digitale Medien regelmäßig. In einigen wenigen Familien wird zwar versucht, ohne digitale Medien auszukommen, aber auch da müssen Eltern feststellen, dass sich ihre Kinder damit beschäftigen, sei es bei Freunden, der Verwandtschaft oder in der Schule. Digitale Medien bergen unendliche Möglichkeiten, sowohl förderliche als auch beängstigende und gefährdende.

Auf eine besondere Gefährdung macht der "Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Missbrauchs" aufmerksam.

Er beauftragte und veröffentlichte die Expertise von Arne Dekker, Thula Koops & Peer Briken „Sexualisierte Grenzverletzungen und Gewalt mittels digitaler Medien“

Diese Expertise setzt sich mit möglichen Grenzverletzungen durch digitale Medien, die von Kindern und Jugendlichen erlebt werden können, in zehn Thesen auseinander

Im Folgenden werden diese Erläuterungen und Thesen aus der Expertise auszugsweise wiedergegeben.

Frühe Erfahrungen mit Pornografie

Kinder und Jugendliche werden heute in den digitalen Medien früh mit Pornografie konfrontiert, manche von ihnen wahrscheinlich zu früh. Ein erheblicher Anteil der Jugendlichen, insbesondere der Jungen, verfügt nach dem zwölften, spätestens aber nach dem 14. Lebensjahr über Pornografieerfahrung, und viele von ihnen sehen sich mit einiger Regelmäßigkeit selbstbestimmt Pornos an. Obwohl dies nach Maßgabe der entsprechenden Regelungen zum Jugendschutz und des Strafrechts nicht möglich sein sollte, lässt sich das im Internet offen verfügbare Angebot von Erwachsenenpornografie kaum eindämmen.

Untersuchungen zur Pornografienutzung zeigen aber, dass ein Großteil der Jugendlichen vergleichsweise verantwortungsvoll und reflektiert mit dem Angebot umgeht. Die Sorge, dass das Pornografieangebot zu einer allgemein problematischen Veränderung der sexuellen Sozialisation führt, lässt sich anhand sexualdemographischer Daten nicht belegen. So ist es in den vergangenen 15 Jahren nicht zu einer entscheidenden Vorverlegung des Alters beim „ersten Mal“, zu einer Zunahme von Jugendschwangerschaften o.ä. gekommen. Auch Befürchtungen, dass Pornografiekonsum bei Jugendlichen zu frauenfeindlicheren sexuellen „Skripten“ oder einer stärkeren Akzeptanz von Vergewaltigungsmythen führt, bestätigen sich nicht. Die mittlerweile zahlreichen Forschungsergebnisse zur Pornografiewirkung erweisen sich insgesamt als widersprüchlich und zeigen – wenn überhaupt – moderate Effekte. Während aber eine allgemeine Wirkung von Pornografie auf alle Jugendlichen nicht zu befürchten ist, zeigt sich bei kleinen, spezifisch vulnerablen Gruppen ein verstärkender Effekt des Konsums spezifischer Pornografie, etwa bei jungen männlichen Intensivkonsumenten von Gewaltpornografie, deren Gewaltneigung hierdurch wahrscheinlich verstärkt wird.

In diesem Zusammenhang sollte der zukünftige Fokus folglich weniger auf einem allgemeinen Pornografieverbot, als vielmehr auf einer kritischen Betrachtung gewalttätiger Pornografie liegen. Als besonders kritisch ist beispielsweise Bildmaterial von Würgeszenen anzusehen, das angesichts verdeckter Genitalien derzeit frei auf Plattformen wie Youtube verfügbar ist.

Mit diesen Themen geht es weiter:

  • Ungewollte Konfrontation mit sexualbezogenem Bildmaterial.
  • Ungewolltes sexualisiertes „Anmachen“
  • Grooming-Verhalten
  • Kindersextourismus und Kinderprostitution
  • Bildliche und filmische Darstellungen
  • Sexting
  • Online-Dienste für Live-Videos
  • Präventionsmaßnahmen
  • Auseinandersetzung mit den digitalen Medien

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