Adoptivkinder aus fremden Ländern und ihre Eltern - Ergebnisse einer Befragung

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Thema: Adoptivkind Adoptiveltern Auslandsadoption

Personen / Institutionen: Reinhart Holzapfel

20.09.2017, letzte Aktualisierung am 23.09.2017
Für Außenstehende wird kaum erkennbar, wie es nach der Ankunft des Kindes in seiner neuen Familie weitergeht, wie es sich also entwickelt, wie seine neuen Eltern mit ihm zurecht kommen, ob sie ihre Entscheidung für die Adoption Jahre später vielleicht sogar bereuen, und wie Angehörige, Freunde, andere Kinder auf das meist auch fremdländisch aussehende Kind reagieren. Studie von Diplom-Psychologe Reinhard Holzapfel darüber, wie Adoptiveltern die Entwicklung ihrer Adoptivkinder einschätzen und wie sie sich mit diesen Kindern fühlen. Die Antworten der befragten Eltern geben starke Hinweise darauf, dass es den Eltern in der Regel gelingt, einen Umgang mit Störungen zu finden und den Kindern in ihrer Entwicklung zur Seite zu stehen.

Einleitung

Kaum ein Ereignis ist für Eltern mit so vielen Emotionen, Hoffnungen, Erwartungen, aber auch Unsicherheiten verbunden wie die Aussicht auf die Ankunft eines Kindes in ihrer Mitte. Leibliche Eltern erleben dabei die körperliche Schwangerschaft. Auch künftige Adoptiveltern sprechen manchmal von Schwangerschaft und meinen damit die Wartezeit vom Einreichen des Antrags auf Adoption eines Kindes bis zur Kontaktaufnahme mit dem Kind, für das sie von der zuständigen Vermittlungsstelle ausgewählt wurden. Man kann diese Zeit deshalb eine psychische Schwangerschaft nennen. Und die ist nicht minder aufregend und in der Regel noch viel länger als die leibliche.

Die Unsicherheit in Hinblick auf das noch unbekannte aber bereits vorhandene Kind in einem fremden Land ist meist noch größer als gegenüber einem noch im Mutterleib befindlichen Kind. Was bringt dies Kind genetisch mit auf die Welt? Was hat es an frühen Prägungen, vielleicht sogar Traumata, erlebt? Vor allem: Wie haben sich die Bindungsabbrüche ausgewirkt, angefangen mit der Abgabe durch seine leibliche Mutter? Ist es vielleicht beschädigt durch Alkohol, Nikotin, Drogen, psychischen Belastungen oder Krankheit der Mutter oder auch durch Mangelernährung? Solche Erwägungen werden aber meist zurückgestellt zugunsten von Mut, Vorfreude und Selbstvertrauen beim Stellen des Antrags auf Adoption eines Kindes, auch aus fremden Ländern, weil darin eine Sinnfindung von zentraler Bedeutung gesehen wird.

Wie es nach der Ankunft des Kindes in seiner neuen Familie weitergeht, wie es sich also entwickelt, wie seine neuen Eltern mit ihm zurecht kommen, ob sie ihre Entscheidung für die Adoption Jahre später vielleicht sogar bereuen, und wie Angehörige, Freunde, andere Kinder auf das meist auch fremdländisch aussehende Kind reagieren, bleibt für Außenstehende kaum erkennbar. Es gibt darüber nur wenig Untersuchungen, wohl aber Einzelfälle, von denen man Kenntnis bekam und die dann nicht selten unzulässig verallgemeinert werden.

Ein solcher Einzelfall wurde in der Wochenzeitschrift „Stern“, Nr.7, 2013 aufgerollt. Dort kam der Bericht über eine Auslandsadoption, bei der alles gründlich schief gegangen war, so dass die Eltern sich schließlich hilfesuchend an das zuständige Jugendamt wandten. In der Reportage finden sich folgende Sätze: „Es ist eine seltsame Ungewissheit, in die die nach Deutschland geholten Kinder verschwinden“, sowie „Es gibt keine Forschung zu dem Thema und keine Statistik“.

Diese Aussagen haben mich zu dieser Studie angeregt, die ein wenig mehr Licht auf die Entwicklung von aus dem Ausland adoptierten Kindern werfen soll. Ich habe dazu bei Adoptiveltern durch Fragebogen nachgefragt, wie sie selber die Entwicklung ihrer Adoptivkinder einschätzen und wie sie sich mit diesen Kindern fühlen. Dazu habe ich diejenigen Eltern angeschrieben, für die ich bis zum Jahr 2011 ein Psychologisches Gutachten über die Eignung zur Adoption eines fremdländischen Kindes angefertigt hatte und deren Eignung ich feststellen konnte.

Angeschrieben hatte ich 60 Elternpaare. Fünf der Briefe kamen als unzustellbar zurück, zwei Bewerberinnen waren nach der Begutachtung schwanger geworden, so dass die Vermittlung nicht zustande kam, und 2 Bewerberpaare warten immer noch auf den Kindervorschlag. Bleiben also 51 Elternpaare, die den Fragebogen wahrscheinlich bekommen haben. Davon haben 31 Paare, also 61 % der Befragten, den Fragebogen ausgefüllt zurückgeschickt. Die Adoptionen liefen über folgende Vermittlungsstellen: 28 mal EfK , 9 mal Landesjugendamt Stuttgart, 7 mal ICCO, 2 mal HaC, 2 mal zentadopt, 3 mal AdA. Bei einer Familie ließ sich die Vermittlungsstelle nicht mehr feststellen.

Antworten auf die Fragen zu den Kindern

Insgesamt wird von 43 Adoptivkindern berichtet: jeweils 24 männlichen und 19 weiblichen. In 18 Fällen handelte es sich um die Adoption eines einzelnen Kindes, 10 Familien hatten zwei und zwei 3 Kinder adoptiert. Eine weitere Familie hatte zu den drei leiblichen Kindern ein weiteres Kind adoptiert.

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Verfasser:
Reinhart Holzapfel, Diplom-Psychologe,
Psychotherapeut und Adoptionsgutachter
Hindenburgstr. 11
71263 Weil der Stadt
urholz@t-online.de